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ein artikel aus dem architekturführer paris:
Japan-Brücke
Bereits über seine ursprünglichen Grenzen hinweg ausgebreitet, dehnt sich das Geschäfts- und Finanzviertel von La Defense inzwischen nach Westen zur Vorstadt Nanterre hin aus. Durch eine außergewöhnliche planerische Meisterleistung ist der gesamte Bereich innerhalb des Boulevards Circulaire ausschließlich Fußgängern vorbehalten: Alle Straßen und Schienenwege wurden unter die Erde verlegt. Weil jedoch an der Stelle, wo die Straßen hinter der Grande Arche wieder an der Erdoberfläche auftauchen, zwei nebeneinanderliegende Bürogebäude getrennt werden - eins innerhalb, das andere außerhalb des Boulevard Circulaire -, benötigte man eine Fußgängerbrücke, die beide miteinander verbinden sollte. Die zu diesem Zweck gebaute Japan-Brücke ist ein erstaunlicher Drahtseilakt, ein luftiger Streifen über den turbulenten, 15 Meter darunter liegenden Verkehrsströmen. Die Brücke überspannt 100 Meter, mehr als sieben Fahrbahnbreiten. In voller Fahrt von den Autofahrern erblickt, schießt der Ferrari-rote Pfeil über die Arterie der Rücklichter - ein Adrenalinstoß über dem Treib- und Strandgut des Handels, das den Rand von Paris umspült.
Die Stahlstruktur entspringt Kurokawas halbzylindrischem Torturm. Die Hauptbögen, verschweißte, dreieckige, hohle Teilstücke, 900 Millimeter breit, wurden aus fünf Teilen hergestellt - aus den zentralen Teilstücken und vier Schenkeln. Da die Fassaden der die Brücke tragenden Gebäude nicht parallel zueinander stehen, führte die Suche nach einer architektonischen Kohärenz zu einem asymmetrischen Entwurf: Eine Hälfte des Bogens ist länger als die andere. Daraus ergibt sich, daß weder zwei Elemente gleich lang sind noch die Verbindungen denselben Winkel aufweisen. Zur Erzeugung dieser Geometrie sowie für die Analyse des Verhaltens und für die Anfertigung bediente man sich der Hilfe von Computern.
Betrachtungen über die seitliche, auf die Verglasung des Fußgängerwegs wirkende Windlast sowie die nötige vertikale Aussteifung führten zu der Gestaltung als doppelter Bogen: Zwei Bögen lehnen aneinander und bilden eine dreidimensionale, stabile Struktur. Bögen und Sehnen folgen parabolischen Kurven. Die
Trennung des Überwegs von der Sehne ermöglichte die visuelle Betonung des Prinzips des gespannten Bogens. Der Überweg wird von Streben gehalten, die auf den Sehnen aufsetzen, und wird im Stil von Autowaschanlagen mit Hilfe einer gigantischen Zahnbürste gereinigt.
Blickt man von der Brücke aus nach Westen, so verheißen die Emile-Aillaud-Türme aus den späten sechziger Jahren mit ihren tränenförmigen Fenstern und Tarnmustern in pastellfarbenem Rosa und Violett einen Modernismus ä la Tatis Mon Oncle, dessen nähere Betrachtung sich lohnt. Die ausladende Übersicht von dieser Stelle aus läßt jedoch einen Verlust erahnen. Das Netz aus Transportwegen dehnt sich mit einer Flut
aus straßenähnlichen Räumen dicht über der Landschaft aus: Eisenbahngleise, Rohrleitungen,
Stromleitungen, Flugrouten. Haben wir den Sinn für den Raum zugunsten des Freiheitsgefühls zerstört?
ADRESSE hinter der Grande Arche, Cours Valmy, La Defense
BAUHERR Sari
BERATENDER INGENIEUR Peter Rice: RFR,mit Unterstützung durch Ove Arup & Partners
BAUFIRMA Viry
BAUAUFSICHT SocOtCC
METRO UND R.E.R. La Defense
ZUTRITT frei
ARCHITEKT Kisho Kurokawa 1992