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16.10.2001:
Minister baggerte erste Grube für Herrentunnel

Artikel aus Die Welt vom 16.10.2001:

Minister baggerte erste Grube für Herrentunnel



Zwei 780 Meter lange Röhren unter der Trave sollen 2005 Lübecks altersschwache Klappbrücke ersetzen

Lübeck - Die Jahre der altersschwachen Herrenbrücke, einem der ärgerlichsten Verkehrshindernisse im Großraum Lübeck, sind gezählt. Am Montag begannen die Bauarbeiten am Herrentunnel zur künftigen Querung der Untertrave. In vier Jahren werden die beiden, mit ihren Rampen etwa 780 Meter langen Röhren dem Verkehr übergeben und die baufällige Klappbrücke dann abgerissen. Der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Professor Bernd Rohwer machte den 'ersten Spatenstich', kletterte auf einen Bagger, hob neben der Auffahrt zur Herrenbrücke eine Grube aus und startete damit die ersten Erdbewegungen. Für den SPD-Politiker geht es nicht nur um die längst überfällige Beseitigung eines Nadelöhrs. 'Der neue Herrentunnel kann als Modellfall für eine gelungene privatwirtschaftliche Finanzierung angesehen werden. Das Projekt hat damit für den Straßenbau Signalwirkung weit über die Landesgrenzen hinweg.'

Am Bau des Herrentunnels unter der Trave beteiligt sich der Bund mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 175 Millionen Mark an den Kosten. Der Rest wird von einem Konsortium der Baufirmen Hochtief und Bilfinger Berger vorfinanziert. Nach der Fertigstellung des Tunnels im Jahr 2005 sollen die Benutzer dieses Geld durch eine Maut von etwa einer Mark je Personenwagen wieder hereinbringen. Insgesamt soll der Tunnel rund 316 Millionen Mark kosten. Der Tunnel soll die fast 40 Jahre alte Herrenbrücke ersetzen. Die Doppelklappbrücke überquert die Trave im Zuge der Bundesstraße 75. Sie ist wegen Betonschäden nur noch eingeschränkt belastbar und kann nach Einschätzung von Experten nur noch bis 2005 befahren werden.

Mit dem Bau der beiden Tunnelröhren im so genannten Schildvortriebverfahren soll im Sommer 2002 begonnen werden. Die zwei Röhren werden mit Fluchttunneln, Video-Überwachungskameras und Funkanlagen ausgestattet.

Für den Bau eines Tunnels anstelle einer neuen Brücke hatte sich vor allem die Wirtschaft stark gemacht. Die Herrenbrücke wird als wichtige Ost-West-Querung von rund 45.000 Fahrzeugen täglich benutzt. Wegen der durchschnittlich acht Brückenöffnungen, die hauptsächlich in die Hauptverkehrszeiten fallen, kommt es immer wieder zu langen Staus. Die Bewohner der nördlich der Trave gelegenen Stadtteile Lübecks dagegen sehen dem Tunnel mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie befürchten höhere finanzielle Belastungen durch die Benutzungsgebühr oder Umwege auf dem Weg in die Lübecker Innenstadt.

Nicht alle Lübecker sind mit dem Travetunnel einverstanden. Etwa 30 Personen demonstrierten am Montag mit Schrifttafeln gegen die geplante Maut. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe hielt dem entgegen: 'Wir erzielen mit dem Tunnel bei geringem finanziellen Einsatz einen großen Fortschritt im Verkehrsfluss. Lübeck kann froh und dankbar sein, dass es auf diesem unkomplizierten Weg gelungen ist, ein Bauwerk als Ersatz für eine Brücke zu errichten, die so wie so in sich zusammenbricht und daher ersetzt werden muss.' D.G./dpa


Quelle: Die Welt

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