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19.12.2007:
Römische Brücke wiederentdeckt und rekonstruiert

Eine römische Erftbrücke in Neuss-Grimlinghausen ist wiedererstanden – als Computeranimation. In einem Gemeinschaftsprojekt des Vermessungsamtes und des Clemens-Sels-Museums wurde jetzt ein computeranimierter Film fertig gestellt, der den 85 m langen, aus zehn gemauerten Bögen bestehenden Brückenkörper zeigt, der vor rund 500 Jahren zerstört wurde. Der Rekonstruktion vorausgegangen war eine umfangreiche Auswertung historischer Karten und Schriftquellen.

Nahe der Stelle, an der heute die Straße „Am Römerlager“ in Neuss die Erft quert und in den historischen Ortskern von Grimlinghausen führt, existierte bereits in römischer Zeit eine steinerne Brücke. Über das Bauwerk, das heute gänzlich abgetragen ist, verlief einst die römische Fernstraße von Köln nach Xanten. 1586, während des Truchsessischen Krieges, wurde die Brücke zerstört. 1887 konnte der Neusser Archäologe Constantin Koenen bei Niedrigwasser im Flussbett der Erft noch Reste der Brücke ausmachen. Wenige Jahrzehnte später war deren genaue Lage jedoch bereits in Vergessenheit geraten. Karten und Schriftstücke aus dem Stadtarchiv Neuss, dem Kreisarchiv Zons und dem Hauptstaatsarchiv Düsseldorf ermöglichten nun, die Reste der 2000 Jahre alte Brücke wieder zu orten und auch ihr Aussehen zu rekonstruieren.

Zwar berichten zahlreiche Urkunden und Protokolle von dem um 1340 erstmals erwähnten Bauwerk, doch gibt es außer einem Aquarell und einer Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert im Neusser Stadtarchiv und im Clemens-Sels-Museum keine Abbildungen. Die Darstellungen zeigen lediglich die Ruinen der bereits gesprengten Brücke. Von entscheidender Bedeutung für die Rekonstruktion war ein 1858 erstellter Katasterplan der damaligen Gemeinde Grimlinghausen. Ein auf ihm eingezeichneter Vermessungspunkt konnte als der Grenzstein identifiziert werden, der im 17. und 18. Jahrhundert die Grenze zwischen dem zum Erzbistum Köln gehörenden Neuss und dem im Herzogtum Kleve-Jülich-Berg gelegenen Grimlinghausen festlegte. Der kleine Obelisk war ehemals direkt neben der Brücke aufgestellt. Mit seiner Hilfe konnten nicht nur der ehemalige Standort der Brücke ermittelt, sondern auch Länge und Proportionen des Brückenkörpers bestimmt werden.

Dank moderner Animationstechnik ist nun ein wichtiges Vermächtnis der Römer in Neuss wieder sichtbar geworden, auch wenn die Mauerreste und Brückenfundamente unter meterdicken Aufschüttungen des Erftdeiches verborgen bleiben.

Quelle: Stadt Neuss

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