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27.08.2010:
Schräge Sache - ungewöhnliches Gerüst

Ein Dach als Plattform, ein Gerüst, das schräg steht, und ein Bett aus Teflon: Beim Gerüstbau für Korrosionsschutzmaßnahmen am Pylon der Rheinbrücke Speyer ist alles anders und gerade deshalb eine genial schräge Sache der Firma Feig Gerüstbau aus Seewald – mit Produkten von Layher.

Pylone standen in der ägyptischen Architektur für monumentale Toranlagen als Zugang zu Tempeln oder ähnlichen Bauten. Heute wird mit dem aus dem Griechischen stammenden Begriff ein Stahl- oder Betonpfeiler von Hänge- oder Schrägseilbrücken verstanden. So auch bei der zur A 61 gehörenden Rheinbrücke Speyer. Da 1974 beim Bau im Strombereich der verkehrsreichen Wasserstraße keine Pfeiler zugelassen waren, wurde als Brückenkonstruktion eine 758 Meter lange Schrägseilbrücke gewählt. Die Anordnung des Pylons geschah bewusst rechtsrheinisch, um die Silhouette von Speyer mit dem weithin bekannten Kaiserdom so wenig wie möglich zu beeinflussen. Schließlich gilt die Kirche als das bedeutendste und größte romanische Bauwerk in Europa und wurde 1981 in die Liste der UNESCO-Weltkulturgüter aufgenommen.

 

Im Rahmen der seit 2008 laufenden Instandsetzungsarbeiten der Rheinbrücke bei Speyer – Teil der Komplettsanierung der A 61 – beauftragte das Regierungspräsidium Karlsruhe die Erneuerung des Korrosionsschutzes für den Pylon. Hierfür erstellte die Firma Feig Gerüstbau aus Seewald in Zusammenarbeit mit Ferdinand Krieger Gerüstbau ein fast 70 Meter hohes Arbeits- und Schutzgerüst mit dem Layher Allround-System. Eine knifflige Aufgabe: Um den Verkehr während der Arbeiten so wenig wie möglich zu stören, war eine Plattform über der Fahrbahn vorgesehen. Diese sollte gleichzeitig als Abfangkonstruktion für das Gerüst dienen. Die Anpassung des Gerüsts inklusive Verkleidung an den A-förmigen Pylon stellte eine weitere Herausforderung dar. Hierbei mussten die Bewegungen der Schrägseilbrücke berücksichtigt werden, die wie alle Hängebrücken gegen Wind empfindlich ist.

 

Für den Bau der Plattform hatten die Planer der Firma Feig eine ungewöhnliche Idee. Wegen seiner enormen Tragfähigkeit wählten sie den Layher Kassettendachträger, der eigentlich bei Überdachungen eingesetzt wird. Um langwierige Verkehrsunterbrechungen zu vermeiden, wurde die Plattform am Boden vormontiert – schnell, dank weniger Bauteile – und einfach per Kran auf der Stützkonstruktion abgesetzt. So kam es lediglich zu einer kurzen Vollsperrung in einer Nacht von Samstag auf Sonntag. Acht Meter über der Fahrbahn konnte dann im Schutz der Plattform mit dem Bau des eigentlichen Arbeits- und Schutzgerüsts begonnen werden.

 

Die Gründung der Arbeitsbühnen und des fast 70 Meter hohen Gerüsts erfolgte auf teflonbeschichteten Stahlträgern, die eine Verschiebung von bis zu 20 Zentimetern erlaubten und die Bewegungen der Rheinbrücke ausglichen. Nun kam ein weiterer Trick: Zur optimalen Anpassung des Gerüsts an die A-Form des Pylons legten die Gerüstbauer dieses mit schwenkbaren Fußspindeln – im wahrsten Sinne des Wortes – einfach schräg. Durch diese Bauform kamen beim Einrüsten und anschließenden Verkleiden mit Protect-Kassetten fast ausschließlich Standard-Produkte aus dem Layher Allround-System zum Einsatz, welches hier erneut seine Einsatzvielfalt bewies. Aufgrund der hohen Lasten setzte Feig die Konstruktion abschnittsweise auf Stahlkonsolen ab und errichtete als Vertikalaussteifung ein Stützgerüst zwischen den beiden Füßen des Pylons. Der Bau des Gerüsts verlief deshalb völlig symmetrisch, das heißt parallel an den zwei Füßen. Und damit die nachfolgenden Gewerke nicht auf einem schrägen Untergrund arbeiten mussten, entwickelte das Technische Büro von Layher als Sonderteil einen speziellen U-Auflagerriegel für Gerüstböden. Dieser wurde an Systemriegeln und eingeschraubten Rohren befestigt.

 

Einfallsreich zeigte sich das Seewalder Gerüstbau-Unternehmen auch beim Thema Logistik. Für eine schnellstmögliche Montage erfolgte der Materialtransport mit Aufzug und Kran. Parallel verkleideten die Gerüstbauer die Konstruktion noch während deren Errichtung mit dem Layher Protect-System. Die Einhausung verhinderte bei den Korrosionsschutzarbeiten wirkungsvoll, dass Strahlgut in die Luft oder in diesem Fall auf die Fahrbahn gelangte. Angesichts der hohen Windlasten in rund 100 Meter Höhe wurden speziell entwickelte Protect-Halter eingesetzt. So verbauten 12 Mann in 12 Wochen 10.000 Riegel, insgesamt rund 350 Tonnen Allround-Bauteile und 87 Tonnen Protect-Kassetten zu einem ideal an die Bauform angepassten Arbeits- und Schutzgerüst mit 10.000 Kubikmeter.

 

Im Gegensatz dazu dauerten die Korrosionsschutzarbeiten am Pylon ungefähr zehn Monate, im Ganzen sollen die Baumaßnahmen an der Rheinbrücke Speyer mehr als drei Jahre gehen. Heute ist der Pylon dank der ungewöhnlich „schrägen“ Lösung von Feig Gerüstbau nicht nur wirkungsvoll gegen Witterungseinflüsse geschützt, sondern leuchtet mit seiner neuen Beschichtung anstatt im üblichen Grau nun auch in einem kräftigen Blau.


Quelle: Layher

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